Marc V art project

Freitag 24/04 - Kapellenstrasse 7 - 2. Etage - Mainz Gonsenheim

Steck den Kopf nicht in den digitalen Sand – Vernissage

ganz man selbst

ganz man selbst

Das eigene Wesen

Wirklich man selbst zu sein ist ein intimer Aufstand. Es bedeutet, geliehene Karten beiseite zu legen und nur dem tauben Kompass des eigenen Blutes zu folgen — mit Zielen, die aus den wahren Talenten geboren sind, aus den hartnäckigsten Überzeugungen, taub gegenüber dem Lärm der Welt.
Wir beginnen auf der falschen Seite des Spiegels. Wir sehen die Oberfläche: die Glasur, die Stille, die Form, die die Welt erkannt, benannt und entschieden hat. Was wir als Wahrheit erben, ist nur der Blickwinkel eines anderen. Ein Tiger, reglos. Ein Potential, eingeschlossen. Ein Horizont, gezogen von Händen, die nicht die unseren waren.
Auf der anderen Seite ging der Tiger bereits.
Das ist es, wohin meine Arbeit immer wieder zurückkehrt — diese Schwelle zwischen der aufgezwungenen Form und dem Wesen, das sich behauptet. Nicht die Verwandlung, sondern die Weigerung. Die Weigerung zu akzeptieren, dass die Stille jemals real war. Dem zu trotzen, dass irgendjemand das Recht hat, die Grenzen deiner Möglichkeiten zu ziehen — außer dir selbst.
Der Käfig existiert nicht. Die Gitter sind nur Schatten, geworfen von einem Potential, das sich noch zurückhält. Sich selbst zu sein ist kein Akt der Gewalt, sondern des Drucks — langsam, unaufhaltsam, bereits im Gange, bevor jemand den Spiegel umdreht.
Der Horizont ist keine von anderen gezogene Grenze mehr. Er ist eine ausgestreckte Hand, die du endlich bereit bist zu ergreifen — von der anderen Seite des Glases.