Marc V art project

Freitag 24/04 - Kapellenstrasse 7 - 2. Etage - Mainz Gonsenheim

Steck den Kopf nicht in den digitalen Sand – Vernissage

Perfektion im Werden

Zwei Schweine. Eines gerundet, eines kubistisch. Beide perfekt. Beide rosa, unter welcher Form sie auch erscheinen mögen.

Sie drehen sich. Langsam. Und in der Drehung beginnt etwas zwischen ihnen zu fließen — das gerundete sammelt leise Kanten, das kubistische löst sich in Kurven auf. Eine Verwandlung, so allmählich, dass sie leicht zu übersehen ist.

In dem genauen Moment, in dem eines geworden ist, was das andere war, ist das andere bereits weitergezogen. Sie durchdringen einander und treten, immer, als sie selbst hervor — verändert und unverändert im selben Atemzug.

Dies ist kein Widerspruch. Es ist vielleicht die präziseste Definition von Perfektion, die uns zur Verfügung steht — kein Ziel, kein fester Punkt, dem man entgegenstrebt, sondern eine Bewegung, in der man sich bereits befindet, ob man es weiß oder nicht.

Schaut man lange genug — die Drehung wird zu etwas, das beinahe hypnotisch wirkt — taucht etwas anderes auf. Zwei vollständige Wesen, jedes ganz, jedes in stetem Werden, die einander umkreisen — nicht aus Mangel, sondern aus Erkennung. Keines trägt, was dem anderen fehlt. Keines verspürt den Drang, das andere in seine eigene Form zu ziehen. Was sie gemeinsam hervorbringen, ist der Tanz selbst — und der Tanz, wie sich zeigt, ist genug.

Teil II: Anleitung zum Dasein

Perfekt bist du nicht als Glanz. Sondern als Kern.
Als der unverwechselbare Riss im Muster.

Vergleiche dich nicht. Es ist das Gift
in der Wunde, die du dir selbst schlägst.
Immer wird es einen geben: schneller, mehr.
Ein endloses Streckennetz, auf dem du nur
der Zug bist, der zu spät kommt.

Die Aufgabe ist nicht, in eine fremde Haut
zu schlüpfen. Sie ist, in der eigenen
auszuhalten. Dich einzurichten in dem Haus,
das du bist. Mit seinen schiefen Wänden,
den dunklen Fluren. Es anzunehmen.

Entwicklung heißt nicht: wer anders werden.
Sondern: tiefer in die eigene Schichtung gehen.
Den eigenen Ton schärfen. Nicht die Melodie
eines anderen nachsingen.
Wachse, aber wie ein Baum wächst—aus dem
eigenen, knorrigen Stamm heraus.
Nicht wie die Ranke, die sich an jedes Gerüst klammert.

Du bist bereits das Original.
Alles andere ist Abzug. Kopie. Staub.
Sein heißt: den Stift fallen lassen.
Das Blatt, das du bist, nicht mehr beschreiben wollen.